Wer sich mit dem Thema
Hypnose beschäftigt, ist bestimmt schon auf das Autogene Training gestossen. Auch hier macht man sich den
Entspannungszustand des Körpers zu Nutze, um körperliche, geistige und seelische Einschränkungen zu beheben. Mit viel
Übung kann man in vielerlei Hinsicht von autogenem Training profitieren.
Was ist Autogenes Training?
Während die
Hypnose schon seit Jahrtausenden zum Einsatz kommt, ist das Autogene Training etwas neuer anzusehen. Es entstand als Form der Hypnose um ca. 1930. Begründer war der Berliner Johann Heinrich Schultz, der schon viele Jahre mit Hypnose arbeitete. Ein Grossteil seiner Klienten waren Soldaten, die aus dem Krieg zurückkehren. Mit dem Autogenen Training konnte er ihnen ein Werkzeug an die Hand geben, das die Möglichkeit bot, zu Hause zu trainieren.
Trainieren ist das richtige Stichwort, da es genau darum beim Autogenen Training geht. Jedes Wort lässt sich dabei einzeln erklären, sodass die Begriffe zusammen das Konzept bereits bereitlegen. "Autogen" bedeutet "Selbstständig" und "Training" heisst "ständiges Üben". Konstantes Üben ist tatsächlich eines der wichtigsten Prinzipien bei dieser Form.
Durch das Training können Kunden diese Form selbstständig anwenden, nachdem eine Lernphase von ungefähr 6 Wochen abgeschlossen ist. Diese Phase wird in der Regel von einem Professionellen begleitet. Anschliessend folgt die Anwendungsphase, die hingegen das ganze Leben lang dauern kann. Dies ist ein entscheidender Vorteil, da nach recht kurzer Zeit lebenslang davon profitiert werden kann.
Durch Autosuggestionen wird ein
Entspannungszustand hervorgerufen, der dem Sympathikus entgegentritt. Das sympathische Nervensystem ist fast den ganzen Tag unter
Anspannung. Es ist der aktive Part, wenn wir unter Druck stehen, Aufgaben zu erledigen haben und funktionieren müssen. Es werden Stresshormone ausgeschüttet, die langfristig und bei zu hoher Konzentration zu Einschränkungen, Unruhe, Stress und Blockaden führen können.
Beim Autogenen Training wird hingegen auf das parasympathische System umgeschaltet. Dieses ist für unsere Entspannung, ausreichend Schlaf und eine wichtige Phase unserer Verdauung verantwortlich. Diese "Umschaltung" ist das eigentliche Ziel des Trainings, mit dem eine gute Balance aus Ent- und Anspannung geschaffen wird. Dieser Zustand muss nicht von allein funktionieren, sondern kann geübt werden, sodass man sich in bestimmten Situationen durch Autosuggestion entspannen kann.
Hypnose und Autogenes Training - darin liegt der Unterschied
Autogenes Training wird auch häufig als Autohypnose bezeichnet. Doch Selbsthypnose ist eine etwas andere Methode. Es gibt also einen tatsächlichen Unterschied zwischen
Hypnose und Autogenem Training. Das Prinzip der Entspannung ist sehr ähnlich. Das ist nicht verwunderlich, schliesslich stammt die Technik von der Hypnose ab.
Beim Hypnotisieren wird der Kunde in eine Trance versetzt, einen veränderten Bewusstseinszustand, der aus einer Mischung aus Tiefenentspannung und höchster Konzentration besteht. Während der Trance werden Suggestionen, sogenannte Affirmationen und Denkanstösse verwendet, um auf das Unterbewusstsein wirken zu können. Die Arbeit mit der Persönlichkeit und neuronalen Mustern durch das Fokussieren auf das Innere steht beim Hypnotisieren im Vordergrund.
Hier ist der eigentliche Unterschied zur Autogenen
Übung erkennbar. Es geht nicht um einen veränderten Bewusstseinszustand oder um eine Trance, sondern um einen reinen
Entspannungszustand, der das Nervensystem dazu anregt, seine Kräfte zu nutzen. Ist man tiefenentspannt, so kann man dies dennoch nicht mit dem Wachzustand vergleichen.
Die Autosuggestionen sind nicht als Affirmationen zu verstehen, sondern dienen, um den Entspannungszustand zu erreichen, Anspannungen fallen zu lassen und dem Körper die Möglichkeit zu geben,
Anspannung in Entspannung umzuwandeln. Die Wirkung macht sich auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene bemerkbar.
Die verschiedenen Stufen
In der Anwendung des Trainings werden drei verschiedene Stufen genannt. Es ist dabei nicht immer erforderlich, alle Stufen zu durchlaufen. Vor allem zu Beginn jedoch, benötigt die Grundstufe viel
Übung, die den
Entspannungszustand hervorruft.
Die Grundstufe
Durch verschiedene Übungen und Techniken wird der Wachzustand in einen Entspannungszustand umgewandelt. Insgesamt gibt es 6 verschiedene Übungen, die dies möglich machen. Zu Beginn in der Lernphase sollte man alle Möglichkeiten durchlaufen, mit der Zeit kennt man die Punkte, die die
Anspannung beseitigen.
Die Mittelstufe
Hat man die Grundstufe bestanden und ist in der Tiefenentspannung angekommen, dann geht es mit der eigentlichen Arbeit los. Dieselben Autosuggestionen werden nun durch Zielformulierungen verstärkt. Diese sagt man sich selbst in Entspannung vor, bis man diese angenommen hat. Es kann zu Beginn notwendig sein, diesen Vorgang täglich zu wiederholen.
Die Oberstufe
Mit der Oberstufe wird das Autogene Training vollendet, wobei diese Stufe den Gegenpart zur Grundstufe darstellt. Nun gilt es, durch gezielte Anspannung wieder in den Wachzustand zurückzugelangen. Auch Orientierungen, wie zum Beispiel Farben, Gerüche oder Symbole, können den ursprünglichen Zustand wieder erreichen.
Autogenes Training ist eine besondere Form der
Hypnose, die nach viel Übung den Alltag erleichtern kann. Der Körper kann davon in vielerlei Hinsicht profitieren.
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